Muskelschwund im Alter – was lässt sich dagegen tun?

Ab einem Alter von ca. 60 Jahren wird vielen Betroffenen schmerzhaft klar: Die Muskelmasse nimmt ab. Die Bizeps- = Oberarmmuskulatur wird schlapper, ebenso die Waden- und Po-Muskulatur. Womöglich fangen die Hosen an zu schlabbern und passen nicht mehr. Woher kommt das?
Die sogenannte „Sarkopenie“ (griechisch: sarx = „Fleisch“ und penia = „Mangel“) ist eine häufig vorkommende Muskelveränderung im Alter. Das hängt mit der Veränderung des Stoffwechsels, den veränderten Lebensgewohnheiten im Alter und auch mit dem Absinken des Testosteronspiegels bei Männern und Frauen zusammen. Dieser sinkt bei beiden Geschlechtern ab dem Alter von ca. 35 Jahren um ca. 1-2 Prozent pro Jahr ab. Testosteron wirkt aber aktivierend für die Muskelproteinsynthese und auch auf die Muskelkraft. Zusätzlich erhöht es die Knochenstärke und -dichte.
Muskelschwund / Muskelschwäche im Alter über 70 Jahren: Wie kann ich vorbeugen?
Wichtig zum Erhalt der Muskelkraft ist körperliches Training mehrmals wöchentlich bis täglich. Wer täglich außer Haus geht bzw. Ausdauertraining betreibt für eine halbe Stunde bis Stunde – und das auch noch möglichst zusätzlich mit Krafttraining kombiniert –, der tut etwas Entscheidendes, um den Muskelabbau zu verlangsamen. Zusätzlich sollte auch das Gleichgewicht regelmäßig trainiert werden durch entsprechende Übungen, um die Sturzgefahr zu vermindern.
Krafttrainig, Ausdauertraining und Gleichgewichtstraining
sind also alle insgesamt sehr wichtig. Es geht darum, das auch zu tun! Und tatsächlich macht es sogar Spaß und wirkt positiv auf die Stimmungslage.
Der Effekt solchen Trainings ist nachgewiesenermaßen höher, wenn Sie das mit einer sozialen Tätigkeit kombinieren, also zum Beispiel Sport im Verein oder in einem Fitness-Studio betreiben oder im Betrieb die vorhandenen Trainingsmöglichkeiten nutzen. Der Effekt von Trainern ist auch sehr wichtig, die auch ältere Patienten individuell aufbauen und ermuntern können. Auch kann der Hausarzt oder der Orthopäde Rehasport rezeptieren zum Muskeltraining und Gleichgewichtstraining.
Ernährung
Gerade ältere Menschen sollten sich proteinreich ernähren. Dabei benötigen Menschen über 70 Jahren mehr Eiweiß als junge Menschen, um dieselbe Muskulatur aufzubauen. Insbesondere sollte die Ernährung wichtig an essentiellen Aminosäuren wie Leucin sein. Dies gilt allerdings nicht für Patienten mit fortgeschrittener Nierenschwäche. Dort sollte die Eiweißzufuhr beschränkt sein, worüber Sie mit Ihrem Arzt sprechen können.
Bisher gibt es leider keine medikamentöse Therapie, die sich ohne große Nebenwirkungen bewährt hat. Zum Beispiel hat eine Testosterongabe auch einige Nebenwirkungen wie ein erhöhtes Risiko für Herzkreislauferkrankungen und ist daher nicht unbedingt zu empfehlen. Wichtig sind eine calciumreiche Kost und eine genügende Vitamin-D-Aufnahme des Körpers.
Die wichtigste Vorsorge gegen Muskelschwund und Osteoporose bleiben die regelmäßige Bewegung und das regelmäßige körperliche Training. Dieser Effekt ist deutlich höher als alle Ernährungsmaßnahmen und sonstigen Therapieansätze. Und ganz nebenbei wird das Gehirn auch noch trainiert und seine Leistung verbessert. Also – fangen wir an!

© Dr. med. Sieglind Zehnle, Ruiter Str. 7, 73740 Ostfildern; Stand Mai 2019

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Mit dem FOCUS-Empfehlungssiegel 2019 als Hausärztin in der Region ausgezeichnet

Die Redaktion von FOCUS-GESUNDHEIT hat Dr. med. Sieglind Zehnle aus unserer Praxis für die aktuelle FOCUS-Ärzteliste 2019 mit dem FOCUS-Empfehlungssiegel als Hausärztin sowie als Palliativmedizinerin ausgezeichnet. Frau Dr. Zehnle zählt damit zu den „empfohlenen Ärzten in der Region“ .
Das Empfehlungssiegel gibt Patienten seit 2013 Hilfestellung bei der Wahl eines Facharztes in Wohnungsnähe. Das Siegel zeichnet die in dem Landkreis ihrer Niederlassung empfehlenswerten Fachärzte aus. Dabei berücksichtigen die Hamburger Stiftung Gesundheit und FOCUS-GESUNDHEIT mehrere medizinische, patienten- und serviceorientierte Faktoren, zum Beispiel, ob ein Arzt auch von Kollegen empfohlen wird und welche Berufserfahrung er hat. Daneben fließen Patientenzufriedenheit, Barrierefreiheit der Praxis und weitere Kriterien ein.

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Informationen zur Gelbfieberimpfung

Die Gelbfieberimpfung kann für die Einreise in ein südliches Land vorgeschrieben sein. Das Gelbfiebervirus wird übertragen durch den Stich der Aedes-Mücke, die tag- und nachtaktiv ist. Also ist Mückenschutz sehr wichtig!

Die Impfung ist in der Regel gut verträglich. Dabei wird 0,5 ml eines attenuierten (abgemilderten) Lebendimpfstoffs subkutan (unter die Haut) in den Oberarm gespritzt. Eine anschließende, in der Regel 1 – 2 Tage dauernde Rötung oder Schwellung kann auftreten und ist ein Zeichen für die Wirkung der Impfung. Selten gibt es grippale Erscheinungen 3 – 6 Tage nach der Impfung, wie Kopfweh, Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit und Fieber. Gelegentlich werden unmittelbar nach der Impfung Kreislaufreaktionen beobachtet. Selten wurden nach einer Gelbfieberimpfung schwere Hirnhautentzündungen sowie das sogenannte Yellow fever associated visceral disease (YEL–AVD, „Impfgelbfieber“) mit schwerer Leberentzündung bis zum Multiorganversagen beschrieben. Das Risiko liegt circa bei 3,2 / 100 000 für über 75jährige und bei ca. 1,1 / 100 000 für 60 – 69jährige Personen bei der Erstimpfung, darunter bei ca.0,4 / 100 000 Personen. Personen über 60 Jahre sollten daher laut Fachinformation nur geimpft werden, wenn ein erhebliches und unvermeidbares Risiko einer Infektion mit dem Virus vorliegt.

Die amtliche Gültigkeit beginnt in der Regel 10 Tage nach der Impfung. Ausreichende Antikörper finden sich 10 – 14 Tage nach der Impfung im Blut.
Die Schutzwirkung ist über 96 Prozent und bleibt in der Regel lebenslang erhalten. Eine einmalige Impfung genügt, wird aber noch nicht von allen Ländern anerkannt.

Eine Impfung mit Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff oder Windpockenimpfstoff sollte nur gleichzeitig oder im Abstand von mindestens vier Wochen durchgeführt werden. Für die Dauer von mindestens vier Wochen, besser drei Monate ist eine Schwangerschaft nach der Impfung zu vermeiden.
Bis vier Wochen nach der Impfung dürfen Sie kein Blut spenden.
Bis eine Woche nach der Impfung sollten schwere körperliche Anstrengungen sowie Operationen vermieden werden.
Personen mit einer Hühnereiweißallergie, mit akuten Krankheiten, mit einer beginnenden schweren Erkältung oder ähnlichem Infekt, mit Immundefekten (HIV) und CD4 unter 200/ug sollten nicht geimpft werden. Weiter dürfen Sie nicht geimpft werden, wenn Sie mit mehr als 20 mg Kortison oder mit Metho-trexat oder einer Antikörpertherapie behandelt werden oder wenn bei Ihnen eine erniedrigte Zahl von Blutplättchen (Thrombozyten) bekannt ist.
In Zweifelsfällen bringen Sie bitte dazu Ihre Unterlagen mit (auch Laborwerte z.B. und Infos über vorhandene Rheumaerkrankung o.ä.), damit Sie möglichst gut beraten werden können.

Die Impfung ist eine IGeL-leistung und wird nach GOÄ berechnet. Häufig werden die Kosten ganz oder teilweise von der Krankenkasse übernommen.

© Hausarzt-Praxis Dr. Zehnle Ostfildern – Gelbfieberimpfstelle Ostfildern, Dr.med. Sieglind Zehnle, Stand 03/2019

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Kneippsche Güsse zu Hause

Kneippsche Güsse stellen eine einfache, aber sehr wirksame Möglichkeit dar, um verschiedene Beschwerdebilder zu behandeln. Sie sind deshalb effektiv, weil sie einen kurzen Kältereiz hervorrufen. Sie sollten nur im ausgeruhten Zustand bei normaler Körperwärme und nie auf kalte Haut ausgeführt werden. Die Ausführung kann nur mit (sehr) kaltem Wasser oder als Wechselguss (37° bis 39° C ca. 15 Sekunden, kalt ca. 8 Sekunden) erfolgen.
Infektanfälligkeit, Schlafstörungen: Der Kneippsche Knie- oder Beinguss abends vor dem Schlafengehen. Ausführung: Im Stehen den Fuß, den Unterschenkel und das Knie so begießen: Den Wasserschwall möglichst ohne Duschbrause und möglichst kein starker Wasserstrahl, sondern mit einem Duschschlauch einen mittelstarken Wasserstrahl bilden und diesen vom rechten Fußrücken außen Richtung Kniekehle am Unterschenkel langsam aufwärts führen, an der Kniekehle ca. 10 Sekunden verweilen, und wieder abwärts. Wichtig: Es sollte sich ein sog. „Wassermantel“ bilden, der die begossene Haut umschließt! Der einmal begonnene Hautreiz sollte weder unterbrochen noch erschüttert werden, daher glatt, ruhig und langsam das Wasser über die Haut hingleiten lassen. „Besonders beim Knieguss zeigt sich die einschneidende Tiefenwirkung eines jeden Gusses … Er wirkt auf den ganzen Körper ebenso wie insbesondere auf den Blutumlauf in den Beinen“ (Dr. Wilhelm Spenlger).
Beim Beinguss wird das Wasser langsam noch weiter hoch geführt bis zum Gesäß, dann ca. 10 Sekunden verweilen, und wieder abwärts. Dasselbe mit der Unterschenkel-Vorderseite, wieder am Fußrücken beginnend bis zum Knie bzw. weiter hoch. Dann dasselbe am linken Bein. Zum Schluss zuerst die rechte, dann die linke Fußsohle kurz begießen. Danach mit nassen Beinen in die Schlafanzughose o.ä. und ins warme Bett gehen. Bitte nach einem solchen Guss nie mit einem Handtuch abreiben oder frottieren!
Bei Durchschlafstörungen kann der Kneippsche Beinguss auch nachts wiederholt werden. Durch die entstehende wohlige Wärme in den Unterschenkeln und Füßen entspannt sich der Körper, und ein leichteres Einschlafen ist wieder möglich.
Müdigkeit, Infektneigung: Ein Kneippscher Arm- und Brustguss kann ebenfalls bei Infektanfälligkeit vorbeugend wirksam sein. Ein eher kalter Wasserstrahl wird langsam von der Hand den rechten Unter- und Oberarm hinaufbewegt, dann verweilt er auf der rechten Schulter. Danach dasselbe mit dem linken Arm durchführen. Dies geschieht erst auf der Armaußenseite, dann innen. Danach in kreisenden Touren die rechte, dann die linke Brust umrunden mit zunächst warmem, dann ganz kurz mit einem kalten Wasserstrahl. Danach gut warm anziehen. Nicht durchführen bei schwerem Asthma bronchiale oder koronarer Herzkrankheit!
Wassertreten in Kneipp-Becken oder natürlichen Bachläufen: In vielen Ortschaften befindet sich ein sogenanntes Kneipp-Becken. Durch das Treten in dem kalten Wasser für wenige Minuten wird der Kreislauf angeregt. Auch Krampfaderleiden können dadurch positiv beeinflusst werden.
Grundsätzlich empfiehlt sich im Winter eher ein Wechselguss (zunächst warme, dann warm-kalte oder kalte Güsse), im Sommer eher kalte Güsse. Probieren Sie es einfach einmal aus!

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Wie beuge ich einem Schlaganfall vor?

Woran erkenne ich einen Schlaganfall?
Einen Schlaganfall erkennt man in der Regel nicht an einem Kribbeln, Ziehen oder einem Schmerz, der zum Beispiel vom Nacken in die Schulter zieht.
Für einen möglichen Schlaganfall spricht: Eine plötzliche Schwäche und Kraftlosigkeit in einem Arm oder eines Beines. Eine vorübergehende Störung der Sprache. Eine einseitige Sehstöhrung, die plötzlich auftritt, häufig morgens.
Wie soll ich mich dann verhalten?
Ein Schlaganfall kann lebensbedrohlich sein, so wie ein Herzinfarkt. Daher sollte er baldmöglichst behandelt werden. Wenn möglich, rufen Sie die Nummer 112 an. Bei Verdacht auf einen Schlaganfall sollte bald gehandelt werden. Auch der ärztliche Bereitschaftsdienst hilft sonst hier weiter, die Nummer lautet bundesweit 116 117.
Wenn möglich, messen Sie noch Ihren Blutdruck, bei Diabetikern auch den Blutzucker, sofern einfach machbar. Ansonsten misst das der eintreffende Rettungsdienst.
Was sollten Sie nicht tun?
Bitte nicht zuwarten! Leider passiert das viel zu häufig. Ein Schlaganfallpatient sollte sobald als möglich in die Klinik gebracht werden, am besten innerhalb der ersten 4 ½ Stunden.
Wie beuge ich nun einem Schlaganfall vor?
Wichtig ist regelmäßige Bewegung – darunter verstehen die Wissenschaftler mindestens fünfmal wöchentlich, besser täglich, für mindestens eine halbe Stunde; das hilft hier schon viel weiter.
Vermeiden Sie – wenn möglich – tierische Fette in der Nahrung, vor allem Schweinefleisch und Wurst.
Rauchen Sie möglichst gar nicht, also keine Zigaretten oder E-Zigaretten. Und: Machen Sie ab und an Pausen, soweit der Alltag das zulässt. Dann betreiben Sie die beste Vorbeugung.

© Dr. med. Sieglind Zehnle, Hausarzt-Praxis Ostfildern-Scharnhausen, Ruiter Str. 7, 73760 Ostfildern

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Höhenkrankheit – wie vorbeugen?

Bei Reisen in großen Höhen, zum Beispiel bei einem Aufenthalt in Peru, kann eine sogenannte Höhenkrankheit auftreten. Diese kündigt sich beim Erreichen der sogenannten Schwellenhöhe in der Regel durch Kopfweh und / oder Übelkeit an. Im weiteren Verlauf kann es zu Gangstörungen, Gleichgewichtsstörungen, Erbrechen, Benommenheit oder Verwirrtheit, bis hin zum Höhen-Hirnödem kommen.
Andere bekommen zunehmend Atemnot, bis hin zum Lungenödem (Wasseransammlung in der Lunge). Dabei ist bei allen Symptomen die Grenze für das Auftreten (die sog. Schwellenhöhe) individuell verschieden. In der Regel liegt sie bei 2.500 – 3.000 m, bei vielen aber auch tiefer. Reisende, die schon früher unter Beschwerden in großen Höhen gelitten haben, neigen dazu, wieder eine AMS (acute mountain sickness) auch wieder zu bekommen. Andere Reisende bekommen nie oder erst in sehr großen Höhen Beschwerden.
Probleme gibt es, wenn bereits der Ausgangsort bei Anreise z.B. über 2.000 m hoch liegt und dann in wenigen Tagen die Reisehöhe auf z.B. 4.500 m gesteigert werden soll. Beim Reisen sollte eine Schlafhöhe von ca. 300 m Höhendifferenz nicht überschritten werden. Häufig sieht aber der Reiseverlauf anders aus. Als erstes Symptom tritt häufig eine deutliche Steigerung der Herzfrequenz auf. Dies sollte als Warnzeichen wahrgenommen werden. Spätestens bei zunehmenden Beschwerden (s. oben) sollte dann ein Abstieg durchgeführt werden, statt ein Hirn- oder ein Lungenödem zu riskieren. Die Höhenkrankheit tritt in der Regel mit einer Verzögerung von 4 – 6 Stunden auf.
Welche Maßnahmen / Mittel gibt es zur Vorbeugung der Höhenkrankheit?
Diamox: nicht für Höhenkrankheit zugelassen (off-label); führt zu heftigem nächtlichem Harndrang. Kohlensäurehaltige Getränke schmecken bitter, solange Diamox eingenommen wird. Die Leistungsfähigkeit nimmt um ca. 10 Prozent zu; jedoch wirkt das Medikament blutdrucksenkend.
Nifedipin retard: möglich.
Dexamethason 4-8 mg dreimal täglich: kann eingenommen werden.
Tadelafil: dto., alles off-label.
Pflanzliche Mittel, wie Coca: bei Einheimischen vielleicht wirksam; nicht bei Europäern.
Insgesamt sind die medikamentösen Möglichkeiten begrenzt und eher nicht zu empfehlen. Besser ist, soweit durchführbar, eine vernünftige Reiseroute mit ausreichend Gewöhnungszeit. Beim Reisen sollte eine Schlafhöhe von ca. 300 m Höhendifferenz nicht überschritten werden (s.o.).
Beim Überschreiten der Schwellenhöhe wird eine Reisepause von 1 – 2 Tagen empfohlen. So können Sie Ihre Reise genießen und kommen gesund zurück.

© Dr. med. Sieglind Zehnle, Hausarzt-Praxis Ostfildern-Scharnhausen, Ruiter Str. 7, 73760 Ostfildern

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Welches sind Anzeichen für einen Herzinfarkt?

Bei den Schmerzen, welche viele Menschen im linken Brustkorb verspüren, handelt es sich meistens um Beschwerden, die durch die Wirbelsäule, Muskulatur oder gereizte Nerven ausgelöst werden.
Dasselbe gilt auch für linksseitige Schulterbeschwerden.
„Seit einer Stunde sticht es mir hinten im Rücken, ganz schlimm, und ich kann nicht richtig durchatmen“, klagt der beunruhigte Patient. Das ist eher eine Blockierung der Brustwirbelsäule und geht auch beim Dehnen oder Aushängen an einer hohen Kante meistens weg.
„Mir brennt es links vorn über dem Herzen“. Auch eher eine Blockierung. Behandlung: s. oben.
„Mir sticht es vorn auf der linken Seite, ganz übel!“. Keine Panik – ist kein Herzinfarkt!
„Seit ich heute Morgen aufgewacht bin, kann ich die linke Schulter nicht mehr richtig heben, und es schmerzt sehr dabei.“ Es handelt sich um ein sogenanntes Impingement-Syndrom, das heißt, ein gereizter Muskel; jedenfalls kein Herzinfarkt. Behandlung: Eis drauf, Geduld haben, das wird besser!
„Seit zwei Tagen zieht es mir an der linken Schulter außen lang.“ Ziemlich sicher gereizter Nerv und kein Herzinfarkt. Bewegungsübungen empfehlenswert. Da besteht Hoffnung, dass es besser wird.
Was sind denn dann die möglichen Anzeichen für einen Herzinfarkt?
Plötzlich auftretende „Vernichtungsschmerzen“, die sehr heftig sein können, im linken Brustkorb oder auch im mittleren Rückenbereich. Diese sind meistens mehr drückend oder reifenartig. Der Kreislauf kann beeinträchtigt sein, muss aber nicht. Manche Patienten schaffen es, mit einem Herzinfarkt noch in die Praxis hineinzuspazieren und den Arzt freundlich anzulächeln.
Vorwarnungen können auch sein: Bei körperlicher Belastung zunehmend reine Atemnot, ohne Schmerzen, also zum Beispiel beim Bergaufgehen. Vorzugsweise tritt ein Herzinfarkt auch häufig, nicht immer, bei Rauchern auf. Vor allem Raucherinnen haben häufig ähnliche Symptome, schon über längere Zeit. Leider werden diese häufig ignoriert und nicht ernst genommen und abgeklärt.
Ein Herzinfarkt tritt sehr selten unter dem Alter von 35 Jahren auf. Zu einem frühen Erkrankungsalter tragen bei:
• das Rauchen in erster Linie als Hauptrisikofaktor,

• ein erhöhtes familiäres Risiko (Vater, Mutter, Geschwister vor allem betroffen?),
• eine ungesunde Lebensweise, zum Beispiel fettes Essen wie Chips, Currywurst, Mayo und „Pommes“ als Grundnahrungsmittel; die typische Freibadernährung halt, wie sie im Sommer regelmäßig zu beobachten ist,
wenig Bewegung und, ganz am Schluss und eher unwichtig,
• ein erhöhter Cholesterinspiegel.
Das Herzinfarktrisiko kann also ganz gut vom Menschen selbst beeinflusst werden, vor allem durch den Life-Style. Damit haben Sie gute Chancen, im Laufe Ihres Lebens nicht zu erkranken. Also – entspannen Sie sich und genießen Sie den Sommer! Das ist die beste Vorsorge.

Was können Sie aber im Notfall tun?
Das Wichtigste ist, daran zu denken, dass verschiedene Anzeichen auf einen Herzinfarkt hinweisen können. Wenn solche Symptome auftreten, dann den Notarzt rufen – per Notrufnummer 112 (Festnetz; vom Handy aus mit örtlicher Vorwahl).
Dabei bleiben! Nicht weggehen!
Erste-Hilfe-Maßnahmen: Ein-Helfer Methode, Zwei-Helfer Methode. Beginn mit Herz-Kreislauf-Massage, in der Mitte des Brustbeins, 30 mal komprimieren, 2 Atemzüge anschließend. Frequenz: 100 mal pro Minute! (einundzwanzig, zweiundzwanzig … – schnell zählen).
Dank unserer modernen medizinischen Maßnahmen geht die Sterblichkeitsrate bei akutem Herzinfarkt in Deutschland stetig zurück. Inzwischen gibt es dankenswerterweise automatische Defibrillatoren an vielen Bahnhöfen, Flughäfen etc., mit selbst für Nichtmediziner verständlichen Anweisungen, wie man jemanden wiederbeleben kann, der bewusstlos umfällt, wenn er Kammerflimmern hat (die häufigste Todesursache beim plötzlichen Herztod).

© Dr. med. Sieglind Zehnle, Hausarzt-Praxis Ostfildern-Scharnhausen, Ruiter Str. 7, 73760 Ostfildern

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