Was bedeutet „erhöhte Harnsäure“?

Wie entsteht Harnsäure?

Harnsäure entsteht beim Menschen als Endprodukt des Eiweißabbaues. Diese Eiweiße können im menschlichen Organismus u.a. mit Lebensmitteln tierischer und pflanzlicher Herkunft aufgenommen werden. Der Hauptteil der Harnsäure wird über die Nieren ausgeschieden.

Was bedeutet hohe Harnsäure für mich?

Hohe Harnsäurewerte, d.h. Hyperurikämie, ist eine häufige Stoffwechselstörung. Je nach Alter der untersuchten Personen leiden etwa 10 bis 20 Prozent der Männer und ca. 5 Prozent der Frauen in Deutschland daran. Es muss nicht immer zu Gichtanfällen kommen, aber grundsätzlich sind hohe Harnsäurewerte ein schlechtes Stoffwechselzeichen. Diese Menschen können zum Beispiel leichter Herzinfarkte, Diabetes und hohen Blutdruck bekommen. Jede Änderung des Harnsäurespiegels kann zu einem akuten Gichtanfall, zum Beispiel an der Großzehe, führen.
Gichtanfälle können ernährungsbedingt akut auftreten, z.B. zuviel Alkohol, sehr opulentes Essen oder auch durch Fasten. Auch süße Getränke (Softdrinks) können einen Gichtanfall auslösen. Bei Gicht muss in 40 Prozent der Fälle mit der Bildung von Harnsäuresteinen in der Niere gerechnet werden.

Nierensteine

Etwa 10 bis 15 Prozent der Nierensteine bestehen aus Harnsäure. Diese Steine sind durch Alkalisierung auflösbar, d.h. der pH-Wert des Urins sollte zwischen 6,5 und 6,8 liegen (testbar mit einfachen Teststreifen), es sollte zusätzlich reichlich Wasser getrunken werden.
Wichtig ist in jedem Fall eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von 2,5 bis 3 l/Tag zur Förderung der Harnverdünnung. Besonders günstig sind hier Mineral-und Heilwässer mit einem hohem Hydrogencarbonatgehalt (> 1500 mg HCO-/l), die den Harn-pH in den o.g. Bereich zur Vermeidung von Nierensteinen anheben (pH über 6,5).

Was kann ich tun, um mich vor den Folgen der hohen Harnsäure zu schützen?

Da Alkohol Gichtanfälle triggert, die Harnsäurebildung fördert und gleichzeitig die Harnsäureausscheidung hemmt, sollte der Konsum alkoholhaltiger Getränke vermieden oder zumindest stark eingeschränkt werden. Bier, auch alkoholfreies, enthält zudem selbst Purine!
Durch eine konsequente Ernährung kann der Harnsäurespiegel abgesenkt werden. Im Vordergrund steht die Senkung der Eiweiß-(Purin-)aufnahme.
Zu den purinreichen Lebensmitteln, die gemieden werden sollten, zählen u.a.: Innereien, Fischkonserven, Krustentiere, Hülsenfrüchte, die Haut von Geflügel und Fisch sowie Fleischbrühen und -extrakte.
Purinfrei sind: Milch und Milchprodukte (= gut).
Purinarm sind: Kartoffeln, Eier, viele Obst-und Gemüsesorten. Ausnahme: z.B. Spargel.
Im Grundsatz gelten auch bei erhöhter Harnsäure die Regeln für eine vollwertige Mischkost mit reichlich Milch und Milchprodukten, Obst und Gemüse. Ein völliger Verzicht auf Fleisch ist nicht notwendig. Bei einer purinarmen Kost sind 100 bis 150 g Fleisch, Wurst und Fisch pro Tag erlaubt. Die Harnsäure im Blut sollte einen Wert von 6 mg/dl erreichen. Dieser Wert sollte lebenslang eingehalten werden. Bei vorhandenen Gichtanfällen wird dazu noch eine zusätzliche lebenslange Medikamentengabe dringend empfohlen. Diese sollte erst 14 Tage nach dem Gichtanfall einschleichend, also mit kleinen Dosen begonnen werden.


© Dr.med. Sieglind Zehnle, Ruiter Str. 7, 73760 Ostfildern

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