Häufige Hautentzündungen und Furunkel – was ist die Ursache?

Jetzt in der Sommerzeit kommen wieder häufig Patienten in die Hausarztpraxis, die über Entzündungen und Wundheilungsstörungen klagen. Es handelt sich zum Beispiel um entzündete Furunkel und Abszesse im Achselbereich (häufig nach Rasur) sowie um flächige Entzündungen und Furunkel im Innenbereich der Oberschenkel. Diese Entzündungen/Wundheilungsstörungen sind oft sehr hartnäckig und schwer zu behandeln.

Welche Patienten sind vorrangig betroffen?
Bei einem Teil der Patienten handelt es sich um Diabetiker. Ein Teil der Betroffenen ist einfach übergewichtig (BMI zwischen 25 und 30 kg/m²) oder adipös (BMI über 30 kg/m²). Trotz Einnahme von Zink, Multivitaminpräparaten und Selen scheint nichts zu helfen. Was könnte die Ursache sein für diese Entzündungen, Furunkel und Abszesse? Ist das Immunsystem zu schwach?

Es gibt Hinweise darauf, dass u.a. die Ausbreitung von Übergewicht und Adipositas auch mit gehäuften Entzündungen aller Art im Körper einhergeht. Bei Entwicklung eines „Bauches“ durch eine Gewichtszunahme von z.B. 15 kg, wie sie die meisten Deutschen durchmachen zwischen 20 und 50 Jahren, erhöht sich der Anteil einer bestimmten Sorte von Fettgewebe (viszerales Fettgewebe). Dieses Fettgewebe, so lautet die Hypothese, setzt vermehrt sogenannte Adipokine frei. Das sind entzündungsfördernde Substanzen wie etwa der Tumor-Nekrose-Faktor alpha, Interleukine und andere giftige Substanzen. Diese erhöhte Entzündungsaktivität betrifft das Fettgewebe selbst, aber auch den ganzen Organismus. Gleichzeitig werden entzündungshemmende Stoffe im Körper weniger produziert, wie z.B. das Adiponektin.

Durch diese Schieflage des Stoffwechsels, der durch die erhöhte Entzündungsaktivität ständig überreagiert, können leichter auftreten: alle Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck und Herzkreislauferkrankungen, einschließlich der Verkalkung von Blutgefäßen (Atherosklerose). Auch Dickdarmkrebs und Brustkrebs sind statistisch gesehen häufiger bei Übergewichtigen und Adipösen. In der Hausarztpraxis zeigt sich, dass Diabetiker häufiger unter Entzündungen aller Art, wie zum Beispiel auch Blasenentzündungen, leiden. Auch Hautentzündungen und Hautpilzerkrankungen treten häufiger auf. Treten bei Übergewichtigen Hautentzündungen und Furunkel ebenfalls häufig auf, kann das ebenfalls ein Hinweis auf eine stark erhöhte Entzündungsaktivität aufgrund einer Stoffwechselstörung sein.

Was kann ein Betroffener tun, um weniger Hautentzündungen zu bekommen bzw. diese zum Abheilen zu bringen?neu-1
In allererster Linie gilt es, das Gewicht herunterzubringen. Damit wird die Entzündungsaktivität im Körper minimiert. Das Gewicht sollte um mindestens 5 Prozent abgesenkt werden (senkt das Diabetesrisiko um die Hälfte).
An mindestens fünf Tagen in der Woche ist Bewegung für mindestens 30 Minuten (so die Weltgesundheitsorganisation WHO), so dass man wenigstens etwas ins Schwitzen kommt, empfehlenswert.
Eine Minderung der gesättigten Fettsäuren in der Nahrung sowie ein hoher Anteil an Ballaststoffen (Gemüse, Vollkornbrot, Beeren) ist weiterhin von Vorteil, auch für die Gewichtsreduktion. Ihre Haut und Ihr Immunsystem werden es Ihnen danken!


Siehe auch: „Diabetes und akuteErkrankungen“

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