Tollwutimpfung

Seit 2008 ist Deutschland nach den Kriterien der Weltorganisation für Tiergesundheit frei von terrestrischer Tollwut, d.h. von Tollwut, die von landlebenden Tieren wie Füchsen übertragen wird. Bei Bissen durch Wildtiere besteht deshalb in Deutschland derzeit nicht die Notwendigkeit einer Tollwutimpfung.
Bei Bissen durch streunende Hunde, deren Herkunft ungewiss ist (Kroatien/Bosnien), sollte sicherheitshalber eine Tollwutimpfung nach einem Biss/blutigen Kratzer durchgeführt werden. Das Tollwutrisiko ist jedoch innerhalb Deutschlands insgesamt sehr gering. Allerdings sollte auch nach jedem potentiellen Kontakt mit einer Fledermaus in D. eine Tollwutimpfung durchgeführt werden.

Wo treten weltweit die meisten Tollwutfälle auf?

In Indien sterben jährlich 19.000 Menschen an Tollwut, die meisten davon sind Kinder. Bei Reisenden in ländliche Gebiete und in Gebiete, in denen streunende Hunde anzutreffen sind, also auch in Großstädten, sollte daher großzügig vor einer möglichen Exposition die prophylaktische Tollwutimpfung (d.h. Tollwutimpfung vor geplanter Reise) durchgeführt werden.

China steht weltweit an zweiter Stelle der Tollwutfälle: jährlich kommt es zu ca. 40 Millionen Bissen durch tollwutverdächtige Tiere und zu ca. 2.400 Todesfällen. Nach den bisherigen Erfahrungen ist nicht sicher darauf Verlass, dass die lokal verwendeten Impfstoffe immer in zuverlässiger Weise hergestellt werden.

Indonesien: In Bali sind seit 9/2008 insgesamt 183 Tollwutfälle beim Menschen aufgetreten, meist durch streunende Hunde verursacht. Ein Impfstoff ist nicht immer erhältlich.

Russland: Wildtiertollwut kommt im gesamten Land bei Haustieren und streunenden Hunden vor, teilweise auch bei streunenden Katzen.

Afrika: In allen afrikanischen Ländern tritt Tollwut bei Wildtieren auf. Wie in den obigen Ländern kann nicht immer ein adäquater Impfstoff zur Verfügung gestellt werden (d.h. unsichere postexpositionelle Prophylaxe).

Südamerika: Tollwut kommt in allen südamerikanischen Ländern vor. Auch hier sind moderne Impfstoffe nicht immer erhältlich.

Wodurch wird Tollwut übertragen?

Die meisten Tollwutinfektionen erfolgen durch Hundebisse, teilweise auch durch Füchse. Die Bisse von Fledermäusen sind relativ schmerzlos und verursachen nur kleine Wunden, so dass sie leicht übersehen werden können. Auch weitere Säugetiere können Tollwut übertragen (Katzen, Wölfe, Waschbären etc.).

Wer sollte vor einer Exposition geimpft werden?

  • Reisende in die entsprechenden Länder (s. oben)
  • Tierärzte, Jäger und Forstarbeiter in Gebieten mit Wildtollwut
  • Personen mit engem Kontakt zu Fledermäusen(auch in Deutschland)
  • Entsprechendes Laborpersonal

Bei Reisenden ereignet sich die Hälfte der Tierbisse innerhalb der ersten vier Wochen. Das Risiko besteht also auch bei Kurzreisen. Auch die mögliche Verfügbarkeit von Impfstoffen vor Ort sollte bei der individuellen Indikation zur Impfung bei Reisenden berücksichtigt werden.

Die Tollwutimpfung

ist derzeit noch keine Last-minute-Impfung, d.h. sie sollte ungefähr vier Wochen vor der Reise begonnen werden. Drei Impfungen sind zur Grundimmunisierung erforderlich. Eine Auffrischung wird nach einem bestimmten Zeitraum (unterschiedlich nach Impfhersteller) ebenfalls empfohlen.
Die Tollwutimpfung ist in der Regel gut verträglich. Es kann, wie bei anderen Impfungen auch, zu Lokalreaktionen wie Schwellung, Armschmerzen kommen, und allgemein zu einem grippalen Gefühl, dass wenige Tage anhält.
Bisher ist noch kein Mensch an einer Tollwut erkrankt, der geimpft war mit der Grundimmunisierung gegen Tollwut.
Trotzdem werden auch bei geimpften Personen sicherheitshalber am Tag eines Tierbisses sowie am 3. Tag zwei weitere (aktive) Tollwutimpfungen empfohlen. Die Gabe von Immunglobulinen ist in diesen Fällen aber nicht erforderlich.

Dieser Beitrag wurde unter Impfung, Vireninfektionen abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.