Pille und Thrombose-Gefahr

Bei der sogenannten „Pille“, d.h. der hormonellen Kontrazeption per Tabletten, wird bis zu einem gewissen Grad die hormonelle Veränderung in der Schwangerschaft simuliert. Insbesondere wird die Konzentration der Östrogene künstlich erhöht.
Auch in der Schwangerschaft steigt das Thrombose-Risiko an. Dies ist in gewissem Maße physiologisch, da bei der Geburt ein hoher Blutverlust zu erwarten ist (Plazenta-Ablösung). Bei Patientinnen mit Schwangerschafts-Bluthochdruck tritt eine Thrombose wesentlich häufiger auf, ebenso bei Schwangeren, die rauchen. In den 14 Tagen nach einer normalen Entbindung ist das Thromboserisiko um das 25-fache erhöht, bei Kaiserschnitten (Sectiones) sogar bis auf das 50-fache des allgemeinen Thromboserisikos gesunder junger Frauen.

Mit den Pillen der ersten Generation bekam „Frau“ täglich 75-100 ug eines synthetischen reinen Östrogens. Dies ging mit einer um das 11-fache erhöhten Thrombosegefahr einher. Dann kamen die Pillen der zweiten Generation, die ein Gestagen (Levonorgestrel, Norethisteron) enthielten, und weniger als 50 ug synthetische Östrogene. Diese Pillen erhöhten das Thrombose-Risiko nur noch um das 4-fache.
Die Entwicklung der Pillen der dritten Generation (< 30 ug Östrogene) mit den Gestagenen Desogestrel oder Gestoden führte leider wieder zu einem erhöhtem Thromboserisiko vom 8-fachen desjenigen junger gesunder Frauen, die die Pille nicht nahmen. Das geringste Thrombose-Risiko haben also Frauen zu erwarte, die Pillen  mit einer mittleren Östrogenkonzentration zwischen 30 und 50 ug einnehmen.

Das Thromboserisiko steigt außerdem an durch Immobilisation, d.h. z.B. bei längeren Zug-, PKW-Fahrten oder Langstreckenflügen oder Ruhigstellung eines Beines im Gips nach einem Knochenbruch. Daher wird heute in der Chirurgie Wert auf eine frühzeitige Mobilisierung der Patienten gelegt und in der Zeit um die Operation auch schützende Heparine injiziert.

In den Wechseljahren und vor allem danach steigt das Thromboserisiko nochmals an, und zwar bis auf das 10-fache des Risikos junger Frauen. Dies ist auch ein Grund dafür, warum Hormone in den Wechseljahren nur zurückhaltend und bei starken östrogenmangelbedingten Beschwerden, wie z.B. Hitzewallungen, eingesetzt werden sollten.

Ist ein routinemäßiges Blutgerinnungs-Screening (per Blutabnahme) also sinnvoll vor Einnahme der „Pille“?
Ein Screening ist auf jeden Fall all denen jungen Frauen zu empfehlen, die die Pille nehmen wollen und in deren Familien gehäuft Thrombosen aufgetreten sind. Da jedoch das nicht in allen Fällen so klar ist, ist jungen Frauen, welche die Pille nehmen wollen, sicherheitshalber ein Thrombophilie-Screening zu empfehlen, welches wenigstens die häufigsten Blutgerinnungsstörungen umfasst: den Gerinnungs-Routinewert aPTT, den APC-Resistenz-Test und die Bestimmung der AT III-Aktivität. Dieses Screening ist jedoch nur bei Verdacht auf eine solche Blutgerinnungsstörung (familiäres Vorkommen, typische Symptome einer Thrombose) Kassenleistung, jedoch durchaus eine sinnvolle Sache

Generell kann Thrombosen natürlich entgegengewirkt werden durch Halten eines normalen Gewichts (BMI 20-25 kg/m²), durch regelmäßige Bewegung und durch ein mutiges Nichtraucher-Dasein. Frauen, die auf die Pille nicht verzichten wollen, sollten, sofern es gynäkologischerseits vertretbar ist, eine Kontrazeption mit einer günstigeren Pillensorte durchführen.

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Eine Antwort zu Pille und Thrombose-Gefahr

  1. Katz schreibt:

    Ein sehr schöner Beitrag , hat mir gut gefallen .
    Glückwunsch !

    Herzliche und kollegiale Grüsse
    Ihr
    Ullrich Katz

    Ltd .Arzt
    Klinik am Ruhrpark
    Fachklinik für Venenerkrankungen
    Wieschermühlenstrasse 19

    44791 Bochum

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