Risikofaktoren: Wem droht ein Herzinfarkt?

Die wichtigsten Risikofaktoren für einen Herzinfarkt sind:
Rauchen: dabei spielt die Zahl der täglichen Zigaretten praktisch kaum eine Rolle
Diabetes mellitus: Ein Diabetiker Typ II ist vor einem Herzinfarkt bereits so gefährdet für eine Gefäßverkalkung und einen Herzinfarkt, wie ein Nichtdiabetiker nach seinem ersten Herzinfarkt!
Übergewicht: hängt häufig mit mangelnder Bewegung zusammen, s. unten.
Hoher Blutdruck: In Deutschland wird der hohe Blutdruck immer noch zu wenig abgesenkt. Das liegt nicht zuletzt häufig an den Betroffenen selbst, die die Nebenwirkungen der Blutdruckmedikamente (anfängliche Müdigkeit, Reizhusten etc.) häufig nicht vertragen.
Fettstoffwechselstörungen: es spielt sowohl der erhöhte Cholesterinspiegel, insbesondere aber die Erhöhung des LDL (Low density lipid) eine Rolle, als auch erhöhte Triglyzeride.
Mangelnde Bewegung: ist in der heutigen Internet- und PC-Gesellschaft an der Tagesordnung.


Alle diese Risikofaktoren müssen im Zusammenhang gesehen werden. Durch einen einzigen Risikofaktor (außer durch Diabetes) erhöht sich das Gesamtrisiko in der Regel nur gering.
Es besteht auch eine erhöhte Gefährdung, wenn Vater, Mutter oder Geschwister einen Herzinfarkt bereits hatten (familiäre Häufung). Deshalb werden die o.g. Risikofaktoren beim zweijährigen Gesundheitscheck beim Hausarzt abgefragt und der Betroffene über sein erhöhtes Risiko für Gefäßverkalkungen (Atherosklerose) informiert.
Leider ist es so, dass beim Gesundheitscheck der Kassen nur das Gesamtcholesterin und die Blutzuckermessung bei der Blutabnahme beinhaltet sind. Nicht einmal ein Nierenfunktionswert (Kreatinin) oder eine erhöhte Harnsäure, die auch eine Rolle spielen kann bei der Entwicklung von Atherosklerose, ist beim Gesundheitscheck vorgesehen. Daher bieten viele Praxen eine erweiterte Blutuntersuchung als iGeL-Leistung (individuelle Gesundheitsleistung) an.
Auch eine Erhöhung des Homocysteins wird als unabhängiger Risikofaktor diskutiert.
Die Bestimmung des Homocysteins ist ebenfalls keine Kassenleistung. Sie kann als IGeL (s. oben) mit durchgeführt werden bei der Blutabnahme.

Ein nicht zu unterschätzender Auslöser für einen Herzinfarkt ist auch Stress.
Dieser Punkt kommt häufig in der Ursachenbesprechung etwas zu kurz, obwohl psychosoziale Ursachen einen großen Einfluss auf das Herz haben. Deshalb wird hier etwas näher darauf eingegangen.
Viele Herzinfarkt-Patienten halten selbst Stress für einen wesentlichen Faktor Ihrer Erkrankung. Damit haben sie recht. Es ist belegt, das seine jahrelange anhaltende erhöhte Arbeitsbelastung unter Zeitdruck mit einer deutlich erhöhten Rate an Herzinfarkten einhergeht. Dabei spielt auch eine geringe Mitbestimmungsmöglichkeit im Beruf eine Rolle. Ist diese Situation mit einer nur geringen Anerkennung der persönlichen Leistung verknüpft, wirkt sich das umso negative auf die eigene Gesundheit aus. Eine schwere Enttäuschung ist häufig in der Vorgeschichte von Herzinfarktkranken.
Patienten mit Burnout, extremer Müdigkeit, Antriebslosigkeit und starker Reizbarkeit aufgrund von beruflichen oder familiären Konflikten sind vermehrt herzinfarktgefährdet. Typischerweise handelt es sich um sehr gewissenhafte Personen, die jahrelang unter hohem Leistungsdruck gearbeitet und häufig auch schon länger keinen Urlaub gemacht haben. Dies führt auf Dauer zu einer Erschöpfung der physiologischen Reserven. Nur durch eine langfristige Behandlung kann diese Dysbalance wieder ausgeglichen warden. Vielen Patienten, vor allem Männern, fällt es leider schwer, sich einer solchen Behandlung zu unterziehen. Es scheint einfacher, im selben Stil weiterzumachen. Meistens handelt es sich auch um sehr ehrgeizige Personen mit hoher Leistungserwartung an sich selbst.
Auch Depressionen steigern die Häufigkeit einer Herzdurchblutungsstörung (KHK). Dies ist durch zahlreiche Untersuchungen eindeutig belegt. Wiederum führt ein Herzinfarkt bei 30-40 % der Patienten zu einer schweren Depression. Wenn diese Depression länger als 4-6 Monate anhält, sollte sie behandelt warden, um die Prognose des Betreffenden nicht weiter zu verschlechtern.
Bei bereits vorhandener Herzerkrankung kann auch eine heftige Aufregung einen Herzinfarkt auslösen, so zum Beispiel Todesfälle, Hass und Ärger, Naturkatastrophen. Auch Fußballspiele sind bei Patienten mit vorgeschädigtem Herzen gefährlich, jedenfalls wenn sie sich voll hineinsteigern.
Es gibt Patienten, die sich nach einem Infarkt oder einer Bypass- oder Stentoperation sehr zurückziehen. Sie leiden unter Umständen unter einer posttraumatischen Anpassungsstörung. Diese Menschen sind vermehrt gefährdet und bedürfen einer intensive psychosomatischen Behandlung, sofern sie diese akzeptieren können. Ein treuer Partner spielt in dieser Zeit eine sehr wertvolle Rolle und wirkt sich positive auf die Lebensqualität des Betroffenen aus.


Was können Sie tun, wenn Sie ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt haben?
Sie können Ihre Ernährung gezielt umstellen (s. Hypercholesterinämie, Hypertriglyzeridämie, erhöhte Harnsäure, LOGI-Diät etc.) Zusätzlich wichtig sind regelmäßige Bewegung, auch nicht zuletzt zum Stress-Abbau, und regelmäßige – am besten tägliche – Entspannungsphasen für die Erhaltung Ihrer Gesundheit. Falls das nicht ausreicht, kann der Arzt Ihnen bei Bedarf entsprechende Medikamente verschreiben, z.B. für Bluthochdruck und hohen Cholesterinspiegel. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt.

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Eine Antwort zu Risikofaktoren: Wem droht ein Herzinfarkt?

  1. Kerstin schreibt:

    Ich habe hier einen kurzen Artikel gefunden über das Herzinfarktrisiko von Fastfood-Verehrern: Fastfood

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