Was bringt mir das Mammographie-Screening?

Brustkrebs ist weltweit der häufigste bösartige Tumor der Frau. Jede neunte Frau in Deutschland erkrankt an Brustkrebs. Brustkrebs steht an erster Stelle der Krebserkrankungen in Deutschland (24,4 %) bei den Frauen und ist hier auch die häufigste Krebstodesursache der Frau. Das höchste relative Risiko bei den Frauen, an Brustkrebs zu erkranken, findet man in der Altersgruppe zwischen 50 und 70 Jahren. Daher wurde seit 2003 sukzessive in Deutschland das zweijährige Mammographie-Screening für diese Altersgruppe eingeführt.
Das Mammographie-Screening (Röntgen der weiblichen Brust) ab 50 Jahren stellt eine Früherkennungsuntersuchung für die Frau dar. Patientinnen, die das Alter erreicht haben, sollten sich einmal von einem Arzt über die Vor- und Nachteile der Untersuchung beraten lassen. Der Sinn von Früherkennungsuntersuchungen ist, eine Krankheit in einem frühen Stadium zu erfassen, um sie dadurch besser behandeln zu können. Weiter werden zur Früherkennung bei Frauen empfohlen: eine Selbstuntersuchung der Brust einmal pro Monat sowie eine Tastuntersuchung der Brust durch den Arzt einmal jährlich.

Vorteile

Tatsächlich kann durch die Mammographie als zweijähriges Screening die Sterblichkeit an Brustkrebs um etwa ein Viertel bis ein Drittel gesenkt werden..Die gegebene Erkrankungswahrscheinlichkeit an Brustkrebs liegt dabei derzeit bei deutschen Frauen zwischen 50 bis 69 Jahren bei etwa 5 %. Das heißt, auf 1000 Frauen bezogen, erkranken 50 Frauen an Brustkrebs in dem Zeitraum zwischen 50 und 69 Jahren.
Das Screening wird alle zwei Jahre durchgeführt (Stand 2008) und als solches als Kassenleistung für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren kostenfrei angeboten.
Von 100 an Brustkrebs erkrankten Frauen sterben tumorbedingt, ohne dass eine Mammographie als Screening durchgeführt wird, innerhalb der folgenden zehn Jahre nach Diagnosestellung 31 Frauen. Bei Teilnahme am Screening sterben 20 (35 % weniger).
Der Nachweis tastbarer Knoten ist leider meist schon Ausdruck einer fortgeschrittenen Erkrankung und gehört daher nicht zur Früherkennung.
„Soll ich nun am Screening teilnehmen?“ Dies ist durch Abwägen der o.g. Vorteile wie auch der Nachteile der Methode individuell zu entscheiden. Zu berücksichtigen ist allerdings auch, dass die Erkrankung für die betroffene Frau folgenschwer und in der Regel lebensverändernd ist.

Nachteilige Effekte

Folgende nachteiligen Effekte können auftreten und müssen berücksichtigt werden:
Es gibt einen relativ hohen Anteil an falsch positiven Befunden: Anhand von auffälligen Befunden werden relativ viele Frauen (in 20 Jahren insgesamt ca. ein Drittel) zu weiteren Abklärungsuntersuchungen eingeladen, wie weitere Röntgenuntersuchungen, Gewebeentnahmen oder sogar eine Operation des verdächtigen Bezirkes. Ein Teil davon stellt sich später als gutartig heraus.
Es kann zu einer Überdiagnose kommen: Durchschnittlich sind bei 1000 Teilnehmerinnen des Mammographie-Screenings etwa 0,5 durch Überdiagnose bedingte Brustkrebsfälle zu erwarten. Das heißt, dass diese Brustkrebsarten ohne Screening nie in Erscheinung getreten wären, weil sie nur sehr langsam wachsen. Dies trifft vor allem für die sogenannten In-situ-Karzinome (DCIS) zu.
Überdiagnostik und Übertherapie entstehen beim Mammographie-Screening in bis zu 20 % der Fällen, also bei jeder fünften Frau.

Die Strahlenexposition

Die Strahlenempfindlichkeit des Brustgewebes ist altersabhängig. In der Altersgruppe zwischen 10 und 20 Jahren ist sie am höchsten, nimmt dann aber mit zunehmendem Lebensalter ab. Die mittlere Strahlendosis der Mammographie in einer Ebene beträgt ca. 1-2 mGy und liegt somit im Niedrigdosisbereich. Ein zweijähriges Mammographiescreening führt in der Altersgruppe der 50-69-Jährigen bei einer 50jährigen Frau im Laufe des Lebens zu einem zusätzlichen Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, von 0, 01-0, 24 %, ist also sehr gering. Bei Frauen über 40 Jahren ist daher auch bei der wiedeholten Durchführung von Mammographien kein erhöhtes strahlenbedingtes Krebsrisiko zu erwarten.


Anhand der o.g. Vor- und Nachteile kann nun jede Frau für sich entscheiden, ob sie am Mammographie-Screening (Brustkrebs-Screening) teilnehmen möchte oder nicht. Aufgrund der o.g. Darstellung überwiegen meiner Ansicht nach die Vorteile des Mammographie-Screenings bei weitem das Risiko. Natürlich wird Frauen, die am Röntgen-Screening teilnehmen, weiterhin empfohlen, an der gesetzlich geregelten Früherkennung beim Frauenarzt jährlich teilzunehmen. Das Ergebnis der Mammographie sollte dabei besprochen werden.

View:
Mammographie (netdoktor)
Website der Kooperationsgemeinschaft Mammographie in der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung GbR
„Brustkrebsscreening“ (PDF der Universität Hamburg)

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