Die akute Bergkrankheit – Höhenkrankheit

Der Begriff „Höhenkrankheit“ (acute mountain sickness) stellt die gemeinsame Bezeichnung für Symptome dar, welche bei Reisenden beim Aufstieg über 2.500 m auftreten können.
Manche Personen bekommen eine Höhenkrankheit, andere nicht. Das heißt: Es gibt eine gewisse Veranlagung oder Sensibilität dafür. Weiter ist die Gefahr abhängig von der Schnelligkeit des Aufstiegs. Bei einem Aufstieg von 300 m pro Tag erleiden 25 % die akute Bergkrankheit, bei einem Aufstieg von 500 m pro Tag 75 %.
Wenn Reisende ohne Übergang auf 3.500 m ü.d.M. ankommen, liegt die Häufigkeit der akuten Bergkrankheit bei nahezu 85 %.
Besonders gefährdet sind Menschen, die bereits eine Höhenkrankheit durchgemacht haben; insbesondere ein früheres Höhenlungenödem stellt ein hohes Risiko für eine Höhenkrankheit dar.


Die akute Bergkrankheit ähnelt einem Migräneanfall. Es kommt zu Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Schwindel und Erbrechen. Im schlimmsten Fall kann ein Höhenhirnödem entstehen. Dabei kommt es zu Gleichgewichtsstörungen (Schwanken), schwersten Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörungen, Halluzinationen bis hin zum Koma. Diese Stadien werden übrigens detailliert geschildert im zweiten Band von Corinne Hofmanns „Die weiße Massai“, in der die Autorin mit Mitstreitern den Kilimandscharo erklimmt, offensichtlich zu rasch. Bei ihrem Begleiter beschreibt sie deutliche Symptome einer schweren akuten Bergkrankheit bzw. eines beginnenden Höhenhirnödems. Er kann dann durch einen raschen Abstieg gerettet werden.


Entscheidend für die Vermeidung der o.g. Höhenkrankheit ist eine ausreichende und langsame Akklimatisation an die Höhe, also ein langsamer Aufstieg. Die tägliche Schlafhöhe sollte um nicht mehr als 300 m pro Tag gesteigert werden. Weiterhin sollten nach jeweils 1000 m Höhe ein weiterer Ruhetag eingelegt werden.


Aufgrund des Konflikts zwischen zeitlich beschränkter Aufenthaltsmöglichkeit (Urlaub) und notwendiger Akklimatisation wird häufig auf Medikamente zurückgegriffen: Für die akute Höhenkrankheit ist Diamox im Handel, welches in Dosierungen zwischen 125-500 mg 2 x täglich eingenommen wird, mindestens einen Tag vor Beginn des Aufstiegs > 2.500 m. Es sollte dann während des gesamten Aufenthaltes eingenommen werden.


Bei Unverträglichkeit von Diamox (unangenehmer Geschmack) kommt auch Dexamethason in einer Dosierung von 2 x 4 mg in Frage; dieses Mittel hat jedoch die Nebenwirkungen einer Kortison-Therapie und sollte daher nicht routinemäßig eingenommen werden, sondern nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt. Dasselbe gilt für Prednisolon. Manche Reisenden erzählen auch von positiven Wirkungen von Coca (Südamerika).


8 % aller Bergsteiger, vor allem Personen zwischen 20 und 50 Jahren, bekommen das Höhenlungenödem. Dies entsteht, weil der Luftdruck sinkt und die Luft daher weniger Sauerstoff enthält. Am besten ist der sofortige Abstieg um mindestens 1.000 m. Bei Bergsteigern, die bereits ein Höhenlungenödem hatten, kann Nifedipin eingesetzt werden, z.B. 10 mg akut, gefolgt von 20-30 mg retardiertem Nifedipin. Nifedipin wirkt nicht auf die akute Bergkrankheit.


View: 
Akute Bergkrankheit (TK)
Erste Hilfe – Die Höhenkrankheit (Informationsseite von Bergsteigern für Bergsteiger)
Akute Höhenkrankheit, Höhenlungenödem, Höhenhirnödem (Dr. Thomas Hochholzer, Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie)

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Eine Antwort zu Die akute Bergkrankheit – Höhenkrankheit

  1. Karsten schreibt:

    Wow! Das wäre ja echt sehr schade! Gott sei Dank bin gesund, da ich die Berge sehr liebe…Sehr interessanter Artikel, danke für die Infos!

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