Klimawandel und neue Infektionskrankheiten

Die folgenden Ausführungen gehen zurück auf Informationen von Prof. Dr. Dr. Peter Kimmig vom Landesgesundheitsamt Stuttgart. Prof. Kimmig führte auf einem Impfseminar in Stuttgart am 15.3.2008 aus, dass bei milderen Wintern in Zukunft mit Infektionen gerechnet werden müsse, die für unsere Breiten bisher nicht üblich sind. Wesentlich dabei sind Krankheiten, die durch Insekten, Zecken und Milben übertragen werden. Wenn sich diese sogenannten „Vektoren“ aufgrund der globalen Erwärmung in den Norden ausbreiten können, stellen die dadurch übertragenen Infektionen eine realistische Gefahr dar.

Q- Fieber
Das Q-Fieber (Krimfieber, Balkangrippe) wird übertragen durch Zecken, vor allem durch die Schafzecke (Dermacentor marginatus). Diese benötigen größere Wirtstiere wie Schafe oder Ziegen. Diese Zeckenarten können den Erreger des Q-Fiebers beherbergen, die sogenannten Coxiellen, die in lebenden Zellen leben. Die Coxiellen bilden Sporen, die über Monate in der Umwelt überleben können und bei heißem, trockenem Klima große Distanzen überbrücken können. Sie können mit dem Staub nämlich verweht werden.
Q-Fieber-Infektionen führen nicht immer zu Erkrankungen, sondern verlaufen in 60 Prozent der Fälle unbemerkt. In anderen Fällen kommt es zu einem „Sommergrippe“-ähnlichen Krankheitsbild, mit Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen sowie heftigen Schmerzen hinter den Augäpfeln. Es kann zu einer atypischen Lungenentzündung und zu einer Leberentzündung kommen.
Besonders gefährlich ist das Q-Fieber für Schwangere und Herzklappen-Patienten. Bei Schwangeren kommt es häufig zu Fehl- und Frühgeburten. Mit 30-50prozentiger Wahrscheinlichkeit entwickelt sich bei einer Schwangeren bei Infektion ein chronisches Q-Fieber. Im warmen Süddeutschland sind die Dermacentor-Zecken fest etabliert. Es gibt immer wieder epidemieartige Ausbrüche von Q-Fieber.

Leishmaniose
Leishmanien werden durch Sandmücken (Schmetterlingsmücken, Sandflies, Phlebotomus ) übertragen. Beim Stich einer infizierten Sandmücke werden die Parasiten mit dem Speichel injiziert und im Gewebe aufgenommen.
So kann es zu hartnäckigen Hautgeschwüren nach dem Einstich kommen oder auch zu Befall von inneren Organen.
In den letzten Jahren wurden Sandmücken auch in Deutschland nachgewiesen. Mit einer zunehmenden Ausbreitung ist bei Erwärmung zu rechnen. Dieser Gefahr wird durch den weitgehend unkontrollierten Import von Hunden aus dem Mittelmeerraum noch Vorschub geleistet. Hunde sind für Leishmanien-Infektionen sehr empfänglich. Sie können an Geschwüren im Bereich der Schnauze und an Haarausfall erkannt werden.

Rickettsien
Viele Zecken – auch der sogenannte „Gemeine Holzbock“, die hierzulande häufigste Zecke – sind Träger von Rickettsien. Durchschnittlich 9 Prozent der Zecken in Baden- Württemberg enthalten Rickettsien.
Hunde stellen auch Wirte für Rickettsien dar. Durch den Import von Hunden aus dem Mittelmeerraum kann die Gefahr von Mittelmeerfieber in Deutschland erhöht werden. Erkrankungsbild: Es kann zu Hautblutungen kommen („Fleckfieber“). An der Stelle des Zeckenstichs kommt es zu einem kleinen schwarzen Fleck (Tache noire), um den sich Hautblutungen gruppieren. Es kann auch zu einem Befall von inneren Organen kommen.

Hanta-Viren
Verschiedene Nager übertragen die sogenannten Hanta-Viren. Zu diesen Nagern gehören z.B. Hausmäuse, Ratten, Gelbhalsmäuse und Waldmäuse. Hanta-Viren führen in ihren jeweiligen Wirten zu einer lang anhaltenden Infektion, ohne dass die Tiere erkranken; dabei werden die Erreger (die Viren) aber ausgeschieden.
Die Erkrankungen können zum Beispiel als fieberhafte „Sommergrippe“ verlaufen. Bei 5-10 Prozent der Infizierten findet sich eine Nierenentzündung. Diese verläuft mit hohem Fieber (> 38° C), heftigen Kreuzschmerzen, Bauch- und Kopfschmerzen.
Hanta-Viren sind weit verbreitet; der Schwerpunkt liegt jedoch in Süddeutschland (Baden- Württemberg und Bayern).
Im Jahr 2007 kam es in Baden- Württemberg zu einer Häufung von Hanta-Virus-Infektionen mit mehr als 1.100 Fällen. Diese traten nach dem extrem milden Winter 2006/2007 auf.
Zu Infektionen kann es kommen
– durch Kontakt mit toten Nagern und ihren Ausscheidungen,
– nach dem Ausfegen von Garagen und Gartenhäusern (Säubern von Mäusekot), vor allem aber
nach dem Aufsuchen von Waldhütten und Grillplätzen.

Dengue
Die Dengue-Krankheit wird übertragen durch den sogenannten Tigermoskito (Aedes albopictus). Dieser Tigermoskito (Tigermücke) wurde mit dem Gebrauchtreifen-Handel vor einigen Jahren nach Südeuropa eingeschleppt und breitet sich seither unaufhaltsam nach Norden aus- Leider haben sich auch einige Arten entwickelt, die kälteresistenter sind. Das Dengue-Fieber (hohes Fieber, Gelenkschmerzen, eventuell ein Ausschlag) könnte also bald auch in unseren Breiten auftreten.


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