Diabetes, Diabetiker und Sport

Die regelmäßige Bewegung, die früher gegenüber der Ernährung etwas vernachlässigt wurde, tritt auch für die Behandlung der Diabetes immer mehr in den Vordergrund. Abgesehen von der erhöhten Lebensqualität, die die Freude an der Bewegung verursacht, kommt es durch sportliche Betätigung auch noch zu positiven Effekten für den Stoffwechsel.

Wie wirkt sich Sport auf den Stoffwechsel aus?

Bei einem gesunden Nichtdiabetiker wird der Blutzucker zwischen 50 und 150 mg/dl konstant gehalten. Dies gilt für die Nahrungsaufnahme, bei körperlicher Anstrengung, beim Fasten – immer. Warum ist das so? Unser Gehirn ist für seine Arbeit auf Glukose angewiesen. Bei einem Blutzuckerspiegel von 50 mg/dl und darunter arbeitet es nur mangelhaft. Das Gehirn ist direkt abhängig vom Blutzuckerspiegel.
Was passiert, wenn der Blutzucker unter ca. 50 mg/dl abfällt? Es kommt zur Unterzuckerung, zur Hypoglykämie. Die Symptome dafür sind: Benommenheit, Heißhunger, Herzklopfen, Zittern, kalter Schweiß. Diese Symptome können sehr rasch auftreten.
Wenn Sie Diabetiker sind und mit Insulin oder mit blutzuckersenkenden Tabletten behandelt werden, besteht die Gefahr der Unterzuckerung. Diese kann während oder auch nach der sportlichen Aktivität auftreten. Ursache: ein zu hoher Insulinspiegel. Die Insulin-Empfindlichkeit nimmt unter Belastung zu; der Muskel verbraucht mehr Insulin, die Leber kann evtl. nicht genügend Zucker nachproduzieren, um den Unterzucker aufzufangen.
Tritt das bei sportlicher Betätigung auf: sofort unterbrechen und Traubenzucker, Kekse, Orangensaft, Cola … einnehmen. Anschließend erst den Blutzucker messen.

Wie ist das bei Diabetikern, die lange keinen Sport getrieben haben?

Die Muskulatur legt sich für körperliche Belastungen „Zuckervorräte“ an. Wenn Sie bisher wenig Sport getrieben haben, haben Sie wenig Glukose-Reserven in der Muskulatur; die Gefahr einer Unterzuckerung unter sportlicher Betätigung ist größer.

Aktive Sportler:
Vorsicht – beim Joggen werden anderen Muskelgruppen betätigt als beim Schwimmen (Bein/Armmuskulatur). Bei einer neuen Sportart, die bisher weniger trainierte Muskeln beansprucht, kann auch bei trainierten Diabetikern eine Unterzuckerung auftreten.

Hyperglykämie-Gefahr:
Bestehen zu Beginn des Sportes hohe Blutzuckerwerte (220-300), liegt ein relativer Insulinmangel vor. Bei Azeton-Nachweis im Urin liegt sogar ein absoluter Insulinmangel vor. Der Körper kann dann den Zucker schlechter im Muskel verwerten. Es kommt in der Leber zu einer Überproduktion von Glukose. Die Stoffwechsellage kann sich zunehmend verschlechtern. Es kommt zu einer Übersäuerung des Stoffwechsels, der bis zum Koma führen kann. Bei diesem hohem Zucker sollten Sie also anstrengende Belastungen vermeiden.

Vor dem Sport
sollte sich ein Diabetiker also fragen: Welchen Sport will ich betreiben? Wie anstrengend wird das für mich sein? Wie hoch ist mein aktueller Blutzuckerwert?
Wenn Sie lange keinen Sport getrieben haben, konsultieren Sie am besten Ihren Hausarzt. Dieser kennt auch Ihre zusätzlichen Erkrankungen (Bluthochdruck etc.) und kann Sie beraten; eventuell muss auch ein Belastungs-EKG vorher durchgeführt werden.
Wichtig ist also, den Blutzucker zu messen
– vor dem Sport,
– bei längerer sportlicher Belastung zwischendurch,
– nach dem Sport.
Wenn Sie Insulin spritzen, sollten Sie gegebenenfalls pro halbe Stunde Belastung ein bis zwei zusätzliche BE zu sich nehmen.
Es kann nach dem Sport bis 14 Stunden danach noch eine Unterzuckerung auftreten.
Eine Überzuckerung während des Sports kann folgende Ursachen haben:
– die letzte Insulindosis wurde zu stark vermindert,
– bei Insulinmangel schüttet die Leber vermehrt Zucker ins Blut aus; durch das fehlende Insulin wird dieser aber nicht im Muskel verwertet,
– vor dem Sport wurden zu viele Zusatz-BE gegessen
– während des Sportes ist es zu einer Unterzuckerung gekommen, die Sie nicht bemerkt haben; der Körper wehrt sich dagegen und stellt zu viel Zucker bereit (Gegenregulation).
Vorsicht mit dem Genuss von Alkohol nach oder während einer sportlichen Belastung – wegen der Gefahr der Unterzuckerung.
Wenn Sie mit Insulin oder blutzuckersenkenden Tabletten behandelt werden: Blutzucker nach dem Sport testen. Evtl. 2-3 Stunden später nochmals testen und eine Zusatz-BE essen. Warum? Bei normalem Blutzucker (abends gemessen) vor der Nachruhe nochmals eine Zusatz-BE essen.
Für Diabetiker geeignete Sportarten sind Ausdauer-Sportarten.

Zusammenfassung:

Es sind wichtige Regeln zu beachten, um eine Unterzuckerung bzw. eine Überzuckerung zu vermeiden. Traubenzucker zur Behandlung von Unterzuckerungen sollten Sie immer bei sich führen. Wenn Sie Insulin spritzen oder blutzuckersenkende Tabletten einnehmen, sollten Sie vor und auch nach der sportlichen Aktivität Ihren Blutzucker messen. Bei Werten unter 100 und über 250 sollten Sie keinen Sport betreiben, sondern erst den Blutzucker ausgleichen.
Wichtig: nach einem Ausdauersport kann die Insulin-Empfindlichkeit noch bis zu 24 Stunen erhöht sein, d.h. es kann eher zu Unterzuckerungen kommen. Deshalb wichtig: regelmäßige Blutzuckerkontrolle beim Sport!

Nutzen des Sports für Diabetiker:

– Blutzuckersenkung bei leichter Hyperglykämie
– Senkung des Insulinbedarfs durch Erhöhung der Empfindlichkeit des Muskels
– Serum-Triglyzeride werden gesenkt
– HDL-Cholesterin wird erhöht
– Herz-Kreislauf wird trainiert
– Selbstwertgefühl, Wohlbefinden und Leistungsvermögen werden gesteigert
– Gewichtsreduktion bei regelmäßigem Training (3 x pro Woche eine halbe Stunde).

View: Diabetes mellitus und Sport
Typ-1-Diabetes und Sport
Typ-2-Diabetes und Sport
Diabetes, Sport und Bewegung (PDF)
Wissenschaftliche Leitlinien Diabetes mellitus und Sport (PDF)

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