Hyperventilation (beschleunigte Atmung)

Auf einer sportlichen Großveranstaltung wird einem 16jährigen Mädchen nach der Aufführung schwummrig, und sie kann sich kaum noch auf den Beinen halten. Sie wird im halbdunklen Gang vor den Umkleideräumen auf eine Liege gelegt; ich werde dazugerufen. Sie ist ansprechbar, aber schläfrig und murmelt undeutliche Worte. Erst nach zehn Minuten kann die Begleitperson der Gymnastiktruppe heraushören, dass sie einen „pelzigen Hals“ hat.
Endlich wird mir klar, worum es sich handelt, und ich frage, ob jemand eine Plastiktüte dabei hat. Gott sei Dank ist das der Fall, und sobald ich dem Mädchen die Plastiktüte über Mund und Nase halte, schlägt sie die Augen auf. Sie atmet sehr rasch, viel zu rasch, in die Plastiktüte ein und aus. Wir versuchen gemeinsam, sie zu beruhigen. Die Hände hält sie inzwischen in Pfötchenstellung, klagt auch über pelzige Füße. Leider ist kein Lorazepam in dieser Situation verfügbar. Inzwischen trifft der Rettungswagen ein, und sie wird auf der Liege ins Krankenhaus transportiert zur kurzfristigen Überwachung.

Hyperventilation – was ist das?

Hyperventilation ist eine Überbelüftung der Lunge durch zu schnelles und zu flaches Atmen und kommt zustande durch ein zu rasches und/oder zu tiefes Einatmen. Sie tritt relativ häufig auf, meist bei jüngeren, organisch gesunden Menschen. Sie äußert sich in der Regel durch pelzige Lippen, pelzige Hände/Kribbeln und pelzige Füße. Oft ist auch ein sehr tiefes und rasches Einatmen zu beobachten. Die meisten Patienten wissen bereits, dass sie zur Hyperventilation neigen und können das auch noch äußern im „Anfall“. So kann rechtzeitig mit der Atmung in eine Plastiktüte abgeholfen werden. Bessert sich der Zustand nach mehreren Minuten nicht, kann ein kurzwirksames Beruhigungsmittel helfen, z.B. Lorazepam (Tavor).
Eine Hyperventilation tritt häufig in Stress-Situationen oder Konfliktsituationen auf. Wenn sie erkannt wird, kann rasch abgeholfen werden.


View:
Hyperventilation: Ursachen, Behandlung
Hyperventilation (Blog „medizin-im-text“)
Fachartikel „Funktionelle Atemstörungen“ (PDF)

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