Warum ist der Hausarzt wichtig? (1)

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Ist der Hausarzt tatsächlich wichtig? Heute erlaube ich mir ein Wort in eigener Sache (eine Fortsetzung folgt nächste Woche) – einfach, um einmal aus der Sicht hinter der Kulisse zu zeigen, was man vor der Kulisse nicht sieht, vielleicht aber ahnt. Doch hier geht es mir nicht um reißerische Enthüllungen diskreter Interna oder um einen kritischen Blick auf unser Gesundheitswesen und unsere Gesundheitspolitik. Ich sehe hier jetzt nur einmal auf mein kleines „Revier“. Ich möchte einmal aus meiner Sicht deutlich machen, was meine Tätigkeit für Patientinnen und Patienten bedeuten kann. Wenn man so will: Imagepflege in eigener Sache. Aber das sind nun einmal die basics meines Berufes. (Auf Reaktionen in Gestalt von Kommentaren warte ich gespannt. Die folgenden Ausführungen erscheinen zeitgleich im „Esslinger Gesundheitsmagazin„.)

Wie unentbehrlich der Hausarzt ist, merkt man am deutlichsten vor und nach Feiertagen, wenn die Praxis ein paar Tage geschlossen war: Dann herrscht in der Regel stürmischer Andrang.


Ein Hausarzt ist entweder ein niedergelassener oder ein in einem MEV (medizinischen Versorgungszentrum) angestellter Arzt und meist die erste Anlaufstelle bei medizinischen Problemen. Weil sich Hausarzt und Patient in der Regel schon lange kennen, ist ein Vertrauensverhältnis entstanden. Die Hemmschwelle für die Patienten ist oft geringer als beim Facharzt. Als Hausärztin bin ich für die kleinen und großen Schmerzen und Probleme meiner Patienten zuständig. Ich höre ihnen zu.



Erster Ansprechpartner


Im Idealfall kennt der Hausarzt die ganze Familie einschließlich der Großeltern und das persönliche Umfeld des Patienten und kann somit eine kontinuierliche persönliche Betreuung gewährleisten. Da er die einzelnen Familienmitglieder oft schon seit Jahren betreut, weiß er über die Hintergründe der Erkrankungen gut Bescheid und versteht, warum diese Personen so sind und so handeln, wie sie es eben tun. Auf dieser Basis kann er leichter eine Diagnose stellen oder eine Therapieempfehlung geben. Wenn ein Patient beispielsweise Bauchschmerzen hat, so kann der Hausarzt oft schon aufgrund seiner Vorinformationen beurteilen, ob es sich um einen einfachen Magen-Darm-Infekt oder um etwas Ernsthafteres handelt.


Ein Patient klagt über Schmerzen im rechten Daumen und Zeigefinger, die seit ein paar Tagen immer schlimmer werden. Weil ich weiß, dass der Patient gerne Geige spielt, sind die etwas ungewöhnlichen Beschwerden besser erklärbar. Ich weise ihn darauf hin, dass er sich in den nächsten Tagen schonen soll und deshalb (leider!) nicht geigen darf. Der Patient akzeptiert das – wenn auch schweren Herzens.


Frau K. kommt mit ihrer Tochter in die Praxis. Seit ihrer Bronchitis hat sie plötzlich Wasser in den Beinen und „kriegt auch schlecht Luft“. Aus Erfahrung weiß ich, dass Frau K. nur kommt, wenn´s „brennt“. Ich höre sie ab. Die Herztöne sind ziemlich unregelmäßig. Die Knöchel sind dick. Es handelt sich um eine akute Herzrhythmusstörung, die zur Herzschwäche führt. Gut, dass die Tochter mit der alten Frau gekommen ist. So können wir das noch rechtzeitig behandeln.


Die erste Diagnosestellung erfolgt meist durch den Hausarzt. Er ist der primäre Ansprechpartner für die meisten Patienten. Dem Hausarzt kommen aber noch vielfältige weitere Aufgaben zu. So muss er beispielsweise sämtliche diagnostischen, therapeutischen und (bei Pflegebedürftigen) pflegerischen Maßnahmen koordinieren. Er muss alle vorhandenen Befunde zusammenführen, bewerten und entsprechende Konsequenzen in die Wege leiten, die für den Patienten wichtig sind. Er leitet die weitere fachärztliche und auch sonstige Behandlung ein, wie zum Beispiel Betreuung durch Pflegedienste, Krankengymnastik etc. Wenn nötig, stellt er eine Überweisung zum Spezialisten aus.

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Eine Antwort zu Warum ist der Hausarzt wichtig? (1)

  1. herbert schreibt:

    Also ganz ehrlich, ich komme blendend ohne Hausarzt aus, nicht ganz freiwillig, denn die Ärztin meines Vertrauens wohnt 120 km entfernt.

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