Wenn Milchzucker krank macht – Oft gestellte Fragen zur Laktose-Intoleranz

Laktoseintoleranz – was ist das überhaupt?
Die Laktoseintoleranz / Laktose-Unverträglichkeit ist eine sogenannte Pseudo-Allergie (Lebensmittelunverträglichkeit), die man auch als „Milchzuckerunverträglichkeit“ bezeichnet. Grund für die auftretenden Beschwerden ist die unzureichende Verdauung der Laktose (also des Milchzuckers) im Dünndarm. Milchzucker gelangt dadurch in den Dickdarm und setzt dort eine Kette von Ereignissen in Gang, die zu Verdauungsbeschwerden führen kann.

Welche Beschwerden können auf Laktoseintoleranz beruhen?
Nach dem Verzehr von Milch und milchhaltigen Produkten treten meistens nach 15 bis 30 Minuten Durchfälle auf. Weitere Symptome können sein: Blähungen, vermehrte Bauchgeräusche, Bauchkrämpfe, Übelkeit. In Folge dessen kann auch ein Gewichtsverlust auftreten.

In welchem Alter tritt die Laktoseintoleranz auf?
Die Laktoseeintoleranz betrifft fast ausschließlich Erwachsene. Bereits nach der Stillzeit verschlechtert sich die Verträglichkeit von Milchzucker bei allen Menschen. Die meisten verspüren aber erst als junge Erwachsene die ersten Beschwerden. Die Laktoseintoleranz entwickelt sich meist schleichend.

Wie finde ich heraus, ob eine Laktose-Intoleranz für meine Beschwerden verantwortlich ist?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Laktoseintoleranz nachzuweisen:
1) Eliminationsdiät: Verschwinden die Beschwerden nach zweiwöchigem Eliminieren aus der Ernährung, kann man davon ausgehen, dass eine Laktoseintoleranz vorliegt.
2) H2-Atemtest: Dieser Test wird in Arzt-Praxen (so auch in der Hausarzt-Praxis Ostfildern-Scharnhausen) durchgeführt.

Kann man die Beschwerden lindern?
Ja, mit Lactase-Präparaten. Sie sind erhältlich in Form von Kautabletten oder Pulver und können in der Apotheke oder im Reformhaus rezeptfrei bezogen werden. Sie werden als „Enzymersatz“ vor oder während einer milchzuckerhaltigen Mahlzeit – z.B. im Restaurant oder in der Kantine – eingenommen. Sie enthalten das fehlende Enzym Lactase und tragen so zur Verdauung der Laktose bei.

Ist Laktose-Intoleranz heilbar?
Nein. Zum jetzigen Zeitpunkt besteht die einzig wirksame Behandlung aus einer laktosefreien Ernährung in Kombination mit Laktase-Präparaten und gegebenenfalls einer Darmsanierung mit Bakterien-Präparaten (Lactobacillus acid., Lactobacillus rhamnos., Bifidobacterium).

Ist Laktose-Intoleranz eine Krankheit?
Nein. Menschen, die keinen Milchzucker vertragen, sind weltweit sogar deutlich in der Überzahl. Die Laktose-Intoleranz ist ein sogenannter „Enzymdefekt“, der vermutlich genetisch bedingt ist. In Deutschland haben ca. 15 % der Erwachsenen, also jeder Siebte, eine reduzierte Laktase-Aktivität. In einigen Teilen Asiens und Afrikas liegt der Anteil sogar bei 100 %. In Europa herrscht ein Nord-Süd-Gefälle. In Skandinavien ist Laktoseintoleranz fast unbekannt, während im Mittelmeerraum der Anteil bei ca. 30 % liegt.

Welche Nahrungsmittel sollte ich künftig meiden?
Bei den meisten Betroffenen besteht nur ein Enzym-Mangel, d.h. es besteht eine eingeschränkte Verträglichkeit für Milchzucker. Geringe Mengen, über den Tag verteilt, sind dann gut verträglich. Erfahrungsgemäß werden gesäuerte Milchprodukte (z.B. Käse, Joghurt, Buttermilch, Dickmilch) und reifer Käse (Schnittkäse, Weichkäse) am besten vertragen. Milch und Sahne sollten gemieden werden In Deutschland sind auch laktosearme Milchprodukte im Handel (Supermärkte: minusL). Am besten ist es, sich nach ca. drei Wochen komplett laktosefreier Diät langsam an die Milchprodukte heranzutasten und selbst zu testen, was verträglich ist. In der Regel muss die so angepasste Ernährung lebenslang beibehalten werden.

Was muss bei einer milchzuckerfreien Ernährung beachtet werden?
Ernährungshinweise finden Sie unten bei den aufgeführten Internet-Links. Wichtig ist auch, dass viele industriell hergestellten Fertigprodukte Laktose enthalten (Cremesuppen, Kuchen, Kekse, fertige Salatsaucen, Tiefkühlprodukte, Süßstoff etc.). Auch manche Medikamente enthalten Laktose als Basis.
Milch und Milchprodukte sind die Hauptlieferanten für Calcium. Calcium wird für den Aufbau von Knochen und Zähnen benötigt und hat wichtige Funktionen im Zellstoffwechsel. Die empfohlene Calciummenge liegt bei ca. 1000 mg/Tag. Es sollte unbedingt auf eine ausreichende Calciumzufuhr geachtet werden. Calciumreiche Lebensmittel wie Nüsse, Sesam, Brokkoli, Mangold, Grünkohl, Sellerie, Fenchel, Sojabohnen, calciumreiche Mineralwässer (>150mg/L), Obstsäfte mit Calciumzusatz sollten reichlich verzehrt werden. Eventuell sollte Calcium auch in Form von Brause- oder Kautabletten regelmäßig zugeführt werden. Sprechen Sie darüber mit Ihrem Arzt.

View: Ernährungshinweise des Klinikums Bremen
Ernährungshinweise vom Deutschen Ernährungsberatungs- und -informationsnetz
Ernährung und Laktoseintoleranz-Diät (laktose.net)
Laktose-Unverträglichkeit: Ernährung ohne Milch (curado.de)

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4 Antworten zu Wenn Milchzucker krank macht – Oft gestellte Fragen zur Laktose-Intoleranz

  1. Käseplatte schreibt:

    richtig, die Lactoseintoleranz ist am kommen und das wissen mager..
    http://www.kaeseplatte.com/tag/lactoseintoleranz

  2. Pingback: Wissenswerkstatt | Hippokrates 2.0 » Die Szene der Medizin- und Arztblogs | Werkstattnotiz LXI

  3. mager schreibt:

    In der Regel werden Medikamente gut vertragen, da sie nur minimale Mengen Laktose enthalten. (das mag bei Homöopathika, die ja nur aus Laktose bestehen im Einzelfall anders sein)

  4. Julia schreibt:

    Es gibt aber auch bei vielen Medikamenten die Möglichkeit, eine laktosefreie Variante zu finden!! Z.B. warum soll ich ein Durchfallmittel nehmen, dass Laktose enthält?? Das macht alles, nur nicht gegen Durchfall helfen, wenn man keine Laktose verträgt.

    Also: lieber den Arzt und die Apotheken etwas nerven, aber dafür mit einem ruhigeren Darm belohnt werden. 🙂

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